WÄNDE I WALLS

WÄNDE I WALLS ( bis 31. Januar 2021)

Was hat es mit der künstlerischen Gestaltung von Wänden auf sich? Warum sind Fassaden und Wände für zahlreichen Künstler:innen so faszinierend? Diesen Fragen geht das vom Kunstmuseum Stuttgart initiierte Ausstellungsprojekt WÄNDE I WALLS an drei zentralen Orten in Stuttgart nach: im Kunstmuseum Stuttgart, im StadtPalais – Museum für Stuttgart und in der Bahnhofshalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

WÄNDE I WALLS im Kunstmuseum

»Könnten diese Wände nur reden« – ganz im Sinne dieser Redewendung spürt die Ausstellung der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Raumgrenze Wand nach. Gezeigt werden 30 internationale Positionen von 1966 bis 2020, in denen Wände unterschiedlich thematisiert werden.

Künstler:innen wie Monica Bonvicini und Yoko Ono kehren in ihren Werken die entscheidendste Funktion von Wänden hervor – die des Ein- und Ausschließens. Wände stehen einerseits für den Schutz des Individuums, andererseits können sie einsperren und Zugang verwehren. Als raumbildendes Architekturelement bestimmen sie unsere Lebensräume mit und sind beteiligt an identitätsstiftenden Prozessen.

Künstler:innen wie Ernst Caramelle und Bruce Nauman verdeutlichen dies, indem sie die Wand als reagierendes Gegenüber begreifen oder ihr menschliche Züge zusprechen. Arbeiten von u.a. Jeewi Lee und Sol LeWitt thematisieren wiederum den White Cube als gängige Präsentationsform zeitgenössischer Kunst. Sie führen vor Augen, wie die weißen Wände des Ausstellungsraums Wirkung und Wahrnehmung von Kunstwerken beeinflussen.

Hier geht es zum Ausstellungsbooklet.

Fotogalerie

Außerdem geben Künstler:innen der Ausstellung einen Einblick in ihr Schaffen. Mit dabei sind Felix Schramm, Ernst Caramelle, Monica Bonvicini, John von Bergen, Jeewie Lee und Martin Bruno Schmid.

Begleitend zur Ausstellung sind Filme entstanden, die die Wand in ihrer Funktion des Ein- und Ausschließens, die Wand als soziales Konstrukt und die symbolische Bedeutung der weißen Wand des Ausstellungsraums thematisieren.

GRAFITTI IM KESSEL im StadtPalais – Museum für Stuttgart

Während im Kunstmuseum Wandarbeiten im Innenraum realisiert werden, liegt ein weiterer Fokus auf der Graffiti-Kunst und damit auf einer Kunstform, die sich vor allem mit der Gestaltung von Wänden im Außenraum befasst. Im StadtPalais wird mit Blick auf einige einschlägige Spots die gegenwärtige Sprayerszene wie auch die Graffiti-Geschichte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte im Stuttgarter Kessel gezeigt.

Ausgangspunkt dieser Ausstellung sind Bild- und Archivmaterialien, die Orte wie die »Gaskammer / Hall of Fame Schloßplatz« oder die »Hauptbahnhofeinfahrt« sowie andere geschichtsträchtige Stuttgarter Wände dokumentieren.

SECRET WALLS GALLERY

Als dritten Ort stellt die Deutsche Bahn die Bahnhofshalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs für eine spektakuläre Aktion zur Verfügung: Mehr als 70 Künstler:innen aus der Stuttgarter Sprayerszene verwandeln den Bonatzbau in eine riesige temporäre Graffitigalerie, die »Secret Walls Gallery«. Die Sprayer:innen arbeiten vor Ort und geben in den nächsten Wochen Einblicke in ihre kreative Arbeit. Neben der stilistischen Vielfalt des Graffiti wird sich in den Werken die historische Entwicklung des Stuttgarter Graffiti abbilden.

Dank dieser außergewöhnlichen Zusammenarbeit des Kunstmuseums Stuttgart und der Deutschen Bahn wird der Bonatzbau vor seiner umfassenden Sanierung zu einer lebendigen, künstlerischen Produktionsstätte. Die Arbeiten bleiben bis zum 31. Januar 2021 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Hier geht es zum digitalen Rundgang der Deutschen Bahn.

Fotogalerie

Mit freundlicher Unterstützung von:

Abbildungen WÄNDE I WALLS: Sophie Inmann, CHAPEL, 2016/2020, kontaktempfindliches, hochpigmentiertes Ultramarin, Emulsionsfarbe, Bierbänke, Maße ortsspezifisch, Besitz der Künstler, © Sophie Inmann; Maurizio Cattelan, Untitled, 2007, Präpariertes Pferd, 300 cmx170cmx80cm, © Courtesy Maurizio Cattelan’s Archive; Felix Schramm, Over Horizon Hidden, 2020, Gipskarton, Holz, Farbe, Installationsansicht WÄNDE I WALLS, Kunstmuseum Stuttgart, © Felix Schramm; Michael Sailstorfer, Zeit ist keine Autobahn – Stuttgart, 2020, Autoreifen, Eisen, elektrischer Motor, 80x95x65 cm, Courtesy of Michael Sailstorfer and König Galerie, © VG Bild-Kunst Bonn 2020; Elmgreen & Dragset, THE NAMED SERIES [MUSEUM LUDWIG, NEW MUSEUM, HAYWARD GALLERY], 2012, Wandfarbe von einer Ausstellungswand auf Leinwand aufgezogen, schwarzer, gewachster Eichenrahmen, 176 x 136 x 4 cm und 176 x156 x 4 cm, © Courtesy the artists and Victoria Miro, London/Venice; Jeewi Lee, ENTFALTUNG, 2020, gebrauchte Paravents, Hanji-Papier, Maße ortsspezifisch, Besitz der Künstlerin © Jeewi Lee

Alle Fotos: Gerald Ulmann