Museumstorys

MUSEUMSTORYS

Das Museum ist vorübergehend geschlossen, doch hinter den Fassaden geht es fleißig weiter. Was treiben die Museumsmitarbeiter_innen? Was wird aktuell geplant? Und welche Themen treiben uns gerade um?
Hier gibt einen kleinen Einblick…


Anne Vieth zur Ausstellung »WÄNDE|WALLS«

Die Corona-Krise bedeutet für mich in beruflicher Hinsicht: eine Vollbremsung im Endspurt auf der Zielgeraden.
Die Ausstellung »WÄNDE|WALLS« hätte am 15. Mai 2020 eröffnet. Mitte April wären die ersten Künstler_innnen und ihre Mitarbeiter_innen angereist, um ihre Wandarbeiten zu realisieren. Wir haben uns alle schon sehr auf diese spannende Zeit gefreut!

Es ist alles vorbereitet und wir, das Team des Kunstmuseums, die Angereisten und Externen, hätten gemeinsam 30 aufregende Wandarbeiten von internationalen Künstler_innen und ein abwechslungsreiches Begleitprogramm umgesetzt. Und jetzt? Jetzt freuen wir uns auf den Herbst und auf viele Besucher_innen. Denn wir werden die Ausstellung zusammen mit unserem Kooperationspartner, dem StadtPalais-Museum für Stuttgart verschieben. Wir hoffen, dass sich die Situation bis dahin entspannt hat.

Ich denke auch viel darüber nach, ob das Thema der Ausstellung durch die Corona-Krise vielleicht nochmals mit ganz anderen Augen gesehen werden wird.
Die Ausstellung zeigt, wie sich Künstler_innen seit den 1960er-Jahren mit der Raumgrenze Wand befasst haben.
Es geht darum, dass Wände mehr sind als Architekturelemente. Sie haben vielfältige Bedeutungen. Etwa dass sie schützen und zugleich ausgrenzen – und das spüren wir dieser Tage alle deutlich am eigenen Leib in den eigenen vier Wänden!

Anne Vieth, Kuratorin Kunstmuseum Stuttgart

Maurizio Cattelan, Untitled, 2007
Das Werk von Cattelan wird ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein und illustriert, wie man »mit dem Kopf durch die Wand« wörtlich nehmen kann.
Alles zur Ausstellung »WÄNDE|WALLS« und die Ausstellung findet ihr hier.

Maurizio Cattelan, Untitled, 2007, Präpariertes Pferd, 300 × 170 × 80 cm, Installationsansicht: Maurizio Cattelan, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, März – 13. Dezember 2007, Foto: Axel Schneider, Courtesy Maurizio Cattelan’s Archive

Hadwig Goez zur Ausstellung »Kamm, Pastell, Buttermilch«

Der Künstler Willi Baumeister (1889–1955) verstand sich auch als Handwerker. Er experimentierte mit unterschiedlichen Materialien und Techniken: Mit einem Metallkamm bearbeitete er den Bildgrund oder die Oberflächen der sogenannten Kammzug-Bilder. Schwarze Flächen, die bereits in den frühen Werken auftauchen, überzog er temporär mit Buttermilch – so entstand eine matte Oberflächenwirkung. Sand und Spachtelkitt prägen ganze Werkserien.

In der geplanten Ausstellung »Kamm, Pastell und Buttermilch – Willi Baumeister, Adolf Hölzel und Fritz Seitz« geht es um die unterschiedlichen Techniken, denen sich Baumeister bedient hat. Der Ausstellung sind empirische Forschungen mit Künstler_innen, Restaurator_innen und Kunstwissenschaftler_innen vorausgegangen, die in diesem Rahmen ihre Erkenntnisse und Ergebnisse präsentieren. An diesem Kooperationsprojekt sind das Graduiertenkolleg der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart und Konstanz, das Archiv und die Stiftung Baumeister sowie die University of Oregon, Eugene, USA beteiligt.

Die Ausstellung wird wegen Corona verschoben und eröffnet voraussichtlich im November 2020. Weitere Informationen zu Willi Baumeister, seinem Leben und seiner Kunst findest du auf der Homepage der Willi Baumeister Stiftung: www.willi-baumeister.org/

Hadwig Goez, Archiv Baumeister

Spachteln und kämmen: Empirische Studien zu Baumeisters pastosen Werken
Mit Spachtelmasse und Kamm wird sich an die Arbeitsweise des Künstlers genähert. Empirisch werden Oberflächenstrukturen rekonstruiert sowie unterschiedliche Mischungsverhältnisse und Materialien getestet.
Weitere Informationen gibt es in der Ausstellung und hier.

Versuch in der Maltechnischen Werkstatt der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart, Foto: Christiane Kritzer / Verena Wallner

Eva Froitzheim und Thomas Basilides zur Ausstellung »Vertigo«

»Vertigo« ist ein richtiger Publikumsliebling. In den letzten Wochen erreichten uns zahlreiche Anfragen, ob die Ausstellungs verlängert wird und wenn ja, wie lange. Wir möchten an dieser Stelle spoilern: Ja, Vertigo wird bis in den Sommer verlängert. Nähere Informationen folgen dazu auf unserer Homepage www.kunstmuseum-stuttgart.de

Doch an einer so scheinbar einfachen Verlängerung hängt ein Rattenschwanz an Arbeit. Neue Verträge müssen verhandelt werden, neue Absprachen getroffen, Transportdienste umgeplant und alles neu terminiert werden. Die Liste ist lang. Daher hat das fleißige Vertigo-Team die letzten Wochen genutzt, um alles für die Verlängerung in die Wege zu leiten. Einen kleinen Einblick geben wir hier im Video..

Mit Blick auf eine mögliche Öffnung in Kürze freuen wir uns auf ein Wiedersehen

Eva-Marina Froitzheim, Kuratorin Kunstmuseum Stuttgart
Thomas Basilides, Registrar Kunstmuseum Stuttgart

Verzerrt und zurechtgebogen: Die Anamorphose
Verzerrt zu malen oder zu zeichnen ist eine beträchtliche Leistung. Besonders spannend wird es, wenn das scheinbar unförmige Werk durch eine spiegelnde Oberfläche, wie die eines glatten Zylinders, zusammengezogen wird und ein perspektivisch korrektes Bild entsteht. Die Anamorphose aus dem 18. Jahrhundert ist eine recht alte Variante der perspektivischen und räumlichen Verzerrung sowie der optischen Täuschung, die in der Ausstellung bewundert werden kann.

Unbekannter Künstler, Sich liebendes Paar, Zylinderanamorphose, um 1750, Sammlung/Collection Werner Nekes