05 – Ausstellungsrundgang: Otto Dix: Anita

Otto Dix: Bildnis der Tänzerin Anita Berber


Die Tänzerin Anita Berber (1899–1928) war das ideale Symbol der verruchten 1920er-Jahre. Mit ihren freizügigen »Tänzen des Lasters, des Grauens und der Ekstase« trat sie in Berliner Nachtlokalen auf. Die Berber war eine femme fatale, deren Leben extrem und skandalumwittert war. Keine dreißig Jahre alt starb sie ausgezehrt und abgebrannt nach einer Tournee durch den Nahen Osten. Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld nannte sie einmal »die gewagteste Frau Ihrer Zeit.«
Otto Dix (1891–1969) war fasziniert von der Tänzerin, die er 1925 in seinem Düsseldorfer Atelier malte. Sein Bildnis zeigt sie im enganliegenden, roten Kleid, das mehr preisgibt als verhüllt. In einer rücksichtslos aufrichtigen, unsentimental analytischen Darstellung entblößt Dix sie als eine vom Alkohol und Drogenmissbrauch gezeichnete Persönlichkeit. Auch das Porträt löste Skandale aus, wurde aber trotzdem von der Städtischen Galerie Nürnberg angekauft. Das NS-Regime beschlagnahmte es 1933. Auf verschlungenen Wegen gelangte es 1963 in München auf eine Auktion, bei der Dix das Gemälde zurückkaufte.

Otto Dix, Bildnis der Tänzerin Anita Berber, 1925, Öl und Tempera auf Holz, 120,4 x 64,9 cm, Sammlung Landesbank Baden-Württemberg im Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Uwe H. Seyl, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020