04 – Ausstellungsrundgang: Otto Dix – Großstadt

Otto Dix: Großstadt

»Ich bin so ein Realist, wissen Sie, dass ich alles mit eigenen Augen sehen muss.« Mit diesem Credo wurde Otto Dix (1891–1969) zu einem der wichtigsten malenden Dokumentaristen des 20. Jahrhunderts. Mit dem Triptychon Großstadt (1927/28) schuf Dix eine Ikone der Weimarer Republik, in der die zunehmend als krisenhaft empfundene Realität der »Goldenden Zwanziger« sichtbar wurde. Die Mitteltafel zeigt ein edles Tanzlokal; das Paar im Zentrum trägt wie die anderen Gäste schicke Abendrobe und tanzt zur Musik einer Jazzkapelle. Die Seitenflügel zeigen im Kontrast Prostituierte auf der Straße und bettelnde Kriegskrüppel – eine desolate Gesellschaft am Rande des Abgrunds.
Großstadt veranschaulicht Dixʼ Hinwendung zur altmeisterlichen Lasurtechnik, die äußerste Genauigkeit beim Auftragen der Farbschichten bedarf und eine besondere Farb-wirkung erzielt. Dix vereinte den feinmalerischen Stil mit der detailgenauen Wiedergabe seiner Motive. Der nüchterne Blick und das klare Bildkonzept waren charakteristisch für die »Neue Sachlichkeit«. Dix zählte zu den führenden Vertretern dieser Strömung.

Otto Dix, Großstadt, 1927/28, Öl und Tempera auf Holz, 181 x 402 cm, Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Uwe H. Seyl, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020