03 – Ausstellungsrundgang: La Nuit

Aristide Maillol: La Nuit

Die lebensgroße Plastik La Nuit (nach 1905) wurde vermutlich erst nach dem Tod von Aristide Maillol (1861–1944) gegossen. Sie ist eine von sechs Exemplaren. Ursprünglich im Freien aufgestellt, steht die Bronzeskulptur aus konservatorischen Gründen seit einigen Jahren im Foyer des Kunstmuseums Stuttgart.
In Maillols Werk dominiert der weibliche Akt. Zunächst orientierte er sich an seiner Ehefrau, Clotilde Narcis, später vorzugsweise an Dina Vierny, seiner eingesetzten Nachlassverwalterin. Dabei interessierte ihn in erster Linie der Körpertypus der Frauen. Wie Paul Cézanne war auch Maillol der Ansicht, man müsse zwar nach dem lebenden Modell arbeiten, dürfe es aber nicht naturgemäß abbilden.
Die Skulptur besitzt eine in sich geschlossene Form; alle Glieder sind wie in einem Kreislauf miteinander verbunden. Die insgesamt entspannte Körperhaltung bringt die Vorstellung der Ruhe und Stille bei Nacht zum Ausdruck. Maillols Bestreben lag darin, Form und Raum in Einklang zu bringen sowie eine Verbindung von Architektur und Anatomie zu erschaffen. Die klassischen Proportionen von La Nuit knüpfen an hellenistische Statuen an, die Maillol als ein Ideal betrachtete.

Aristide Maillol, La Nuit, nach 1905, Bronze, Kunstmuseum Stuttgart